 |
TANSANIA
Für mich ein Lebenstraum einmal auf dem höchsten Berg
von Afrika zu stehen und der für mich im Januar 2006 in Erfüllung ging.
1. Tag: Lang fieberten ich auf diese Reise hin und bereitete mich darauf vor, im Januar war es dann
endlich soweit und wir starteten ab Frankfurt in Richtung Tanzania, den Kilimajaro zu bezwingen. Nach einem
langen Flug ab Frankfurt mit kurzem Zwischenstopp in der Hauptstadt Äthiopiens - Addis Abeba, die
einen für alle erstaunlich modernen Flughafen aufweisen kann, erreichten wir in den frühen
Morgenstunden bei einem herrlichen Sonnenaufgang den beschaulichen und fast familiär wirkenden Flughafen
Kilimanjaro im Norden Tansanias.
2. Tag: Unser Kleinbus stand schon bereit und wir packten alle mit an um unser Gepäck in den Bus zu
befördern. Ca. eine Stunde dauerte die Fahrt zum Hotel bei Moshi und vor unseren Augen erhob sich das
riesige Massiv des Kilimanjaros aus der Ebene. Was mich besonders faszinierte war die zum Teil
blütenweiße und farbenprächtige Kleidung der vielen Menschen, die in den zeitigen
Morgenstunden zu Fuß oder mit dem Rad, im Staub der Straßenränder, zum Gottesdienst
pilgerten. Als wir schließlich die kleine gemütliche Hotelanlage erreichten, die von außen
als solche nicht zu erkennen war, bezogen wir unsere Zimmer und genossen an der Hotelbar erst mal ein
kühles und wohlverdientes Tansanisches Bier, schließlich hatten wir ja die ganze Nacht fast kein
Auge zugetan. Nun warteten wir nur noch auf die Jeeps, mit denen wir zur gebuchten Safari in den kleinen aber
feinen Arusha Nationalpark starten sollten. Unser Reiseleiter beruhigte uns, als zur verabredeten Zeit weit
und breit noch keine Jeeps zu sehen waren, dass diese mit Nachsicht auf die übliche afrikanische
Zeittoleranz schon noch kommen werden. Und tatsächlich er hatte Recht behalten, sie kamen noch. Bis zum
Ende der Reise sollten wir uns noch alle an die bereits erwähnte afrikanische Zeittoleranz
gewöhnen, die hier in Tanzania, vom Zeitpunkt der Verabredung bis zum tatsächliche Erscheinen ca.
30-60 Minuten in Anspruch nimmt. Hier vergeht die Zeit tatsächlich etwas langsamer…!
Auf einer sehr abenteuerlichen Piste, die unser Fahrer mit erstaunlichem Wagemut entlangfuhr, wo sich bei
uns Asphalt verwöhnten Mitteleuropäern bei jedem Schlag, den das Fahrwerk des Toyotas abfedern
musste, das Gesicht leicht verzerrte, erreichten wir schließlich den Nationalpark, der uns einen
kleinen aber feinen Einblick in die Tier- und Pflanzenwelt Afrikas bot. Auf der Rückfahrt ins Hotel
konnten vor Müdigkeit nur noch wenige im Auto die Augen offen halten. Die, die noch „munter“
waren konnten sich aber über die Schlafenden amüsieren, wie deren Kopf bei den kleinsten
„Unebenheiten“ in der Fahrbahn, in fast akrobatischer Glanzleistung auf dem Hals im Kreis
rotierte, und wie durch ein Wunder immer kurz vor dem Aufprall auf die Autoscheibe zu einem eleganten
Gegenschwung ansetzte.
Zurück im Hotel erhielten wir noch eine kleine Einweisung für die uns bevorstehende Tour, und nach
dem Abendessen dauerte es dann nicht lang bis alle in ihren Kojen verschwunden waren.
3. Tag: Nach dem geruhsamen Frühstück wurden wir mit der üblichen Zeittoleranz vom Hotel
abgeholt und fuhren zum Fuße des Kibo. Am Gate trafen wir unsere Träger und Guides bevor es
schließlich Los ging zur lang erwarteten ersten Etappe am Kilimanjaro, hinauf zur Mandara-Hütte,
durch herrlich grünen Regenwald. Begleitet von bunten Vögeln, wunderschönen Schmetterlingen,
Kolobusaffen und allerlei Blumen, die leider keiner von uns kannte erreichten wir die Mandara-Hütte und
bezogen unser Quartier in einer der spartanisch eingerichteten aber funktionellen Hütten. Nach einem
kurzen Snack am Nachmittag stiegen wir noch etwas weiter hinauf zum Maundi-Krater, von wo wir eine herrliche
Aussicht in die Kenianische Ebene und das Umland des Vulkans hatten.
4. Tag: Der Morgen überraschte mit empfindlich kühlen Temperaturen und einigen von uns fuhr der
Schreck in die Glieder, als sie sich beim morgendlichen Waschritual plötzlich in Gesellschaft einer
Affenhorde befanden, die wider erwarten keinerlei Scheu zeigte. Was soll man denn schon, bekleidet mit einer
Unterhose, Flip-Flops und einem glitschigen Stück Seife in der Hand, gegen neugierige Affen ausrichten.
Jedenfalls verschwanden diese so schnell wie sie gekommen waren wieder im Wald und die Aufregung legte sich
bald wieder. Nach einem reichlichen Frühstück starteten wir dann zur zweiten Etappe in Richtung
Horombo-Hütte. Noch einmal wanderten wir für ein paar Minuten durch den herrlichen Regenwald, bevor
dieser in einen Bewuchs aus riesigen Erikagewächsen überging, die hier eine Höhe von mehreren
Metern erreichen. Der Flora wurde nun mit jedem Meter an Höhe spärlicher, und auf halber Strecke
dieser Tagesetappe fanden wir uns in einer Gras und Steppenlandschaft wieder, von wo der erste Blick auf die
Gletscher des Gipfels möglich war. Bis zur Horombo-Hütte gab es noch einige kleinere und
größere Steigungen zu bewältigen, die manch einem schon ganz schön an die Substanz
gingen. Ich wurde mir plötzlich bewusst, dass die 4.000 Meter-Marke nicht mehr weit ist. Im
Horombo-Lager angekommen, erhielten wir noch eine kleine Stärkung mit Tee, Kaffee, Keksen, Popcorn und
gerösteten Erdnüssen. Vor dem Abendessen nutzten einige von uns noch die Gelegenheit etwas
höher zu wandern um sich für die „dünne Luft“ der kommenden Tage etwas zu
rüsten. Ich verbrachte die verbleibende Zeit bis zum Abendessen um mich vom Staub zu entfernen, Fotos zu
schießen und anderen Dingen die mir auf über 3.700 m halt so einfielen. Nach dem Abendessen
überkam uns dann ziemlich schnell die Müdigkeit und es dauerte nicht lang bis alle in ihren
Hütten im Schlafsack verschwunden waren.
5. Tag: Als wir am nächsten Morgen unsere noch verträumten Äuglein aufschlugen, und das war
bei einigen, unter anderem auch bei mir, schon ziemlich früh, startete der Tag mit einem herrlichen
Sonnenaufgang über den Wolken. Heute war Akklimatisierung angesagt. Wir ließen uns Zeit zum
Frühstücken, da heute ein Zusatztag eingeplant war, an dem wir hinauf zur Mawenzi-Hütte
wanderten. Vorbei an den Zebrafelsen, eine meiner Meinung nach recht unspektakuläre kristalline
Verfärbung in einer Felswand, erreichten wir bald den so genannten Sattel zwischen Kibo und Mawenzi auf
ca. 4.200 m Höhe. Es ging gleich weiter hinauf bis zur kleinen Mawenzi-Hütte, die heute aus Blech
besteht, nachdem die alte Holzhütte vor einiger Zeit von einem Sturm zerstört wurde. Auf 4.500
Metern Höhe bemerkten wir plötzlich, dass der Sauerstoff schon ziemlich knapp wurde und wir ganz
schön nach Luft schnappen mussten. Bei schöner Sicht hat man hier oben eine grandiose Aussicht
hinüber auf den Kibo und die davor liegende Mondlandschaft. In der Ferne konnte man bei genauem Hinsehen
von hier auch schon unser morgiges Ziel, die Kibo-Hütte entdecken, die sich im Massiv des Berges kaum
vom Untergrund abhob und nur durch den Trampelpfad, der zu ihr führte, leicht zu finden war. Nach kurzer
Rast zwangen uns die Wolken und die Kälte, die mit ihnen kam, zum Rückmarsch zur
Horombo-Hütte.
6. Tag: Mit leichtem Frösteln wurden wir am diesem Morgen wach, da sich in der Nacht die Temperatur
auf 0 °C abgekühlt hatte und erst die wärmenden Sonnenstrahlen dem Frost ein Ende bereiteten.
Nach dem zeitigen Frühstück begann sich alles für die heutige Etappe vorzubereiten, und kurz
darauf brachen wir auf in Richtung Kibo-Hütte. Ca. 9 km Wegstrecke lagen vor uns, von 3.725 auf 4.700 m
Höhe. Gras und Büsche wurden immer weniger, bis auch die letzten riesigen Senezien verschwanden und
wir uns unterwegs nur noch in einer Geröllwüste wiederfanden. Soweit man schauen konnte nur noch
Steine, Kies und Staub. Eine Landschaft, die mich aufgrund ihrer Leere dennoch beeindruckte. Langsamer und
gleichmäßiger wurden die Schritte, da man bereits bei jedem Rhythmuswechsel außer Atem kam.
Die letzten hundert Meter bis zur Kibo-Hütte wurden zur Ewigkeit. Endlich angekommen schrieben wir uns
alle in das Hüttenbuch ein und bekamen unser Zimmer zugeteilt. Einige von uns nutzten noch die
Gelegenheit ein paar Meter bergan zu wandern um ihren Kreislauf ein bisschen auf das vorzubereiten was dann
gegen Mitternacht noch auf jeden Einzelnen wartete. Während des Abendessens erhielten wir von unserem
Reiseleiter Lars und den uns begleitenden Guides noch eine kurze Einweisung über die Abfolge des
Aufstieges zum Gipfel. Aufgeregtes Räumen im Rucksack und Packsack, ob man auch nichts vergessen hat,
und gegenseitiges Wehklagen wem es denn nun am schlechtesten ging vertrieb die Zeit am Abend bis alle
schließlich in der „Kiste“ lagen. Einige schliefen wider erwarten dennoch in dieser
Höhe und fällten wieder ganze Wälder. Erstaunlich was für einen gesunden Schlaf manche
Menschen besitzen. Ich jedenfalls konnte kein Auge zutun und beschäftigte mich mit meinen
Ohrstöpseln um das grausige Krächzen, was meinem Bettnachbarn durch den geöffneten Mund
regelmäßig entwich, irgendwie einzudämmen. Um 23 Uhr war zwar schon wieder Wecken
verkündet, aber die Zeit war wie angestemmt und jede Minute verging wie in Zeitlupe.
7. Tag: Endlich Wecken!! Was dann zu sehen war reichte von „mir geht’s prächtig“
bis zu „ich glaub ich Sterbe“. Tatsächlich sahen einige Mitstreiter aus wie wandelnde
Leichen und die Moral war kurz vor dem Versinken im Erdreich. Nach 30 Minuten gutem Zureden, einer Tasse
heißen Tee und einer gehörigen Portion „Antidepressiva“, in Form von
Kopfschmerztabletten und anderen Wundermitteln, waren aber alle wieder halbwegs Fit für die letzte
Etappe. Langsam, langsam – war die Parole und auf endlosen Serpentinen ging es Schritt für Schritt
durch die Dunkelheit dem Gipfel entgegen. Im Monotonen 2-Sekundenschritt hatte jeder mit sich selbst zu tun
um irgendwie einen Rhythmus zu finden und auf dem losen Geröll nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten.
Jeder Fehltritt kostete Kraft und der Puls hüpfte geradezu in die Höhe. Vorbei an der
Meier-Höhle zog der Weg an Steigung noch einmal kräftig an und alle liefen nur noch wie in Trance
dem Vordermann hinterher. Die letzten Meter vor dem Erreichen des Gillman Points waren die härtesten am
Berg, da hier noch einige Felsen zu überwinden waren, an denen mach einer mit seinem Willen fast
gescheitert wäre. Durch Anfeuerung und gegenseitiges Mutmachen schafften es aber alle bis zum Kraterrand
und manch einem standen Freudentränen in den Augen. Ein fantastischer Sonnenaufgang erwartete uns hier
oben und man konnte deutlich die Erdkrümmung erkennen. Riesige Gletscher, die aussahen wie Tempel
leuchteten glutrot in der Sonne und auf beiden Seiten fiel der Kraterrand hunderte Meter in die Tiefe. Noch
waren wir aber nicht ganz oben und vor uns lagen noch ca. 200 Höhenmeter bis zum Uhuru Peak. Also ging
es weiter obwohl manch einer schon an sich zweifelte. Aber wie es meistens so ist siegt zum Schluss die
Sturheit und der Ehrgeiz jedes einzelnen: „Wenn ich einmal hier bin dann schlepp ich mich auch noch bis
ganz nach oben!“ Vorbei an strahlend weißen Gletscherwänden erreichten schließlich
alle den höchsten Punkt von Afrika. Ein paar Minuten hielten wir inne und ließen die Aussicht und
die unendlich scheinende Weite über den Wolken noch auf uns wirken bevor es dann auch schon wieder dem
Abstieg entgegen ging. Währen des Abstieges spürten einige die ersten Auswirkungen der
Höhenkrankheit, die sich mit “Gummi-Beinen“ und einem fehlenden Gleichgewicht bemerkbar
machte, so dass sie in Begleitung eines Guides den Berg hinunter begleitet werden mussten. Diejenigen, die
diese Erfahrung gemacht hatten schickte unser Reiseleiter nach erreichen der Kibo-Hütte sofort für
eine Stunde ins Bett. Zu aller Verwunderung reichte diese Stunde Tiefschlaf auch aus um sie wieder
zurück in die Welt des Gleichgewichtes zu bringen.
Nach einer kleinen Stärkung ging es dann sofort wieder hinab zur Horombo-Hütte. Schmerzende
Füße und Erschöpfung machten sich bei allen bemerkbar, und nach ewigem Bergablaufen
erreichten wir schließlich wieder die Horombo-Hütte um uns im eiskalten Bach zu waschen, ein
wohlverdientes Bierchen zu trinken und anschließend ins Bett zu fallen.
8. Tag: Nach einer Nacht im Tiefschlaf starteten wir nach dem Frühstück die letzte Etappe
hinunter zum Marangu Gate. Grassteppe und Regenwald erhielten von uns nun endlich die Aufmerksamkeit, die sie
auch verdienten. Das lag wahrscheinlich daran, das wir unser aller Ziel, den Gipfel, bezwungen hatten und man
sich nun um die kleinen verborgenen Schönheiten des Berges kümmern konnte. Jedenfalls entdeckte ich
beim Abstieg mindestens genau so viele neue und faszinierende Dinge wie beim Aufstieg, nur dass ich ihnen
jetzt viel mehr Aufmerksamkeit entgegenbrachte. Am Gate dann endlich angekommen trafen wir auf eine schon auf
uns wartende Schar von Souvenirhändlern, von denen selbstverständlich jeder den
„besten“ Preis hatte. Einmal an den Fersen waren Sie auch gar nicht so einfach wieder los zu
bekommen. Mit dem Kleinbus ging es schließlich wieder zurück zum Hotel, wo jeder für sich ein
kleines Dusch-Fest veranstaltete. Etwas später trafen wir uns dann alle, „wie unverhofft“ an
der Poolbar zu ein, zwei… Bier. Nach dem Dinner erhielten wir dann von unserem Reiseleiter die
schriftlichen Beweise, dass jeder einzelne auch ganz oben war.
9. Tag: Bis zum Rückflug hatten war noch etwas Zeit, so dass wir in den letzten verbleibenden Stunden
noch eine kleine Stadttour in Moshi unternahmen. 10 Uhr sollte uns der Bus abholen - ohne schlechtes Gewissen
fanden wir uns 10:45 an der Hotel-Rezeption ein… und siehe da in diesem Moment kam auch unser Bus.
Damit war Beweis erbracht, dass ein pünktlicher Deutscher sich sehr schnell an afrikanische
Zeitvorstellungen gewöhnen kann. Nach ein paar interessanten Fotos und kurzen aber intensiven
Plaudereien mit den Bewohnern und Händlern der Stadt (manchmal auch mit Händen und
Füßen), kehrten wir schließlich mit dem Taxi zurück ins Hotel und wurden
anschließend zum Flughafen gebracht. Gegen 19:30 ging unsere Maschine und wir kamen am darauf folgenden
Tag sehr früh in Frankfurt wieder an und hatten natürlich viel zu erzählen.
Für mich war diese Reise ein unvergessliches Abenteuer, was mich an meine körperlichen
Leistungsgrenzen brachte, von der Erfahrung ich aber keine Minute missen möchte.
Vielen Dank für die perfekte Organisation der Reise!
Ihr Jürgen Mislovski, März 2006
|
|